Massenanfall Verletzter nach Kühlmittelaustritt

Atemschutzgeräteträger zur Erkundung im Lager (Foto: KPW Matthias Köhlbrandt)

Stelle. 21 Leichtverletzte und einen Großeinsatz von Feuerwehren aus der Gemeinde Stelle sowie der Fachzüge Gefahrgut und Spüren und Messen der Kreisfeuerwehr sowie unzähligen Kräften des Rettungsdienstes aus dem Landkreis Harburg und der Freien und Hansestadt Hamburg hat ein Gefahrguteinsatz am Sonntagnachmittag auf dem Gelände des Zentrallagers einer Lebensmittelkette in der Straße „Uhlenhorst“ in Stelle gefordert.

Um 14.25 Uhr waren die Feuerwehren aus Ashausen und Stelle sowie der aus Fahrzeugen und Mannschaft der Feuerwehren Emsen, Fleestedt, Maschen und Nenndorf bestehende Fachzug Gefahrgut der Kreisfeuerwehr durch die Winsener Rettungsleitstelle zu dem Zentrallager alarmiert worden, in der weiteren Folge kam noch der Fachzug Spüren und Messen hinzu. Es sollte Ammoniak ausgetreten sein. Rasch waren die ersten Einsatzkräfte an der Einsatzstelle, unverzüglich wurde ein Atemschutzsammelplatz weit außerhalb des vermeintlichen Gefahrenbereiches gebildet. Mehrere Trupps unter umluftunabhängigen Atemschutz gingen unverzüglich in die großen Lager- und Versandhallen vor und evakuierten das gesamte Betriebsgebäude, um somit die Gefahr für die dort tätigen Mitarbeiter auszuschließen. Der stechende Ammoniakgeruch war teilweise deutlich wahrzunehmen, so dass eine weiträumige Absperrung rund um die betroffenen Gebäudeabschnitte vorgenommen wurde. Parallel waren die Kräfte des Fachzuges Gefahrgut eingetroffen und bereiteten Messinstrumente vor, um das Ammoniak in der Umgebungsluft nachzuweisen. Weitere Einsatzkräfte gingen unter Atemschutz und später auch unter Chemikalienschutzanzügen in den Gebäudeabschnitt vor, wo das Ammoniak austrat. In einem Technikraum war es in einer Kühlanlage aus ungeklärten Gründen zu dem Ammoniakaustritt gekommen, das giftige Gas entwich längere Zeit unkontrolliert. Die Einsatzkräfte unter Chemikalienschutzanzügen schieberten die betroffene Leitung daraufhin ab und beendeten damit das Ausströmen des Gases. Messungen in der Umgebungsluft rund um das Betriebsgelände wiesen nur geringe, absolut unschädliche Mengen Ammoniak nach. Nach und nach konnten die Kräfte der Feuerwehr ihre Einsatzmaßnahmen daraufhin zurückbauen, in der Folge allerdings entwickelte sich der große Rettungsdiensteinsatz.

Während der Maßnahmen der Feuerwehr wurde durch den Notarzt und eine Rettungswagenbesatzung eine verletzte Person behandelt. In der weiteren Folge meldeten sich immer mehr Mitarbeiter von dem Zentrallager und gaben an, mit Ammoniak in Berührung gekommen zu sein. Am Ende wurden 21 leichtverletzte Menschen gezählt, so dass sich die Einsatzleitung der Feuerwehr in Absprache mit dem Rettungsdienst entschloss, den Massenanfall von Verletzten Stufe 2 auszurufen. Rettungs- und Krankentransportwagen des DRK und der JUH aus dem Landkreis Harburg sowie mehrere Rettungswagen der Hamburger Berufsfeuerwehr rückten an und übernahmen die Versorgung der ausnahmslos leichtverletzten Personen, die über Reizungen der Atemwege und Übelkeit klagten. Sie kamen nach Sichtung und Behandlung teilweise zur Vorsorge in umliegende Krankenhäuser. Für die Kräfte der Feuerwehren war der Einsatz nach zweieinhalb Stunden beendet, die weiteren Ermittlungen zur genauen Unfallursache hat die Polizei übernommen.

Fotos & Text: Pressestelle KFV LK HarburgMatthias Köhlbrandt, KPW. www.feuerwehr-lkharburg.de

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Spüren und Messen und verschlagwortet mit , , , , , von Philipp Wolf. Permanenter Link zum Eintrag. Veröffentlicht am 10. Dezember 2012.

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